Centro Ceremonial Indígena de Tibes

File 131Nur wenige Kilometer nördlich der Küstenmetropole Ponce liegt die präkolumbische Stätte Centro Ceremonial Indígena de Tibes, ein seit 1975 von Archäologen dokumentiertes Areal, das seinen Besuchern innerhalb einer (obligatorischen) Führung das alltägliche Leben der Igneri-Indianer und der Taíno-Indianer vermittelt. Diese einzigartige historische Stätte ist eine der wichtigsten archäologischen Entdeckungen in der Karibik überhaupt, denn sie beherbergt den ältesten und grössten Friedhof sowie die älteste Sportstätte, die den indianischen Ureinwohnern zugeschrieben werden kann. Daneben bildet es den idealen Rahmen für die Erforschung der kulturellen und historischen Prozesse, die den Übergang von der Igneri-Kultur, die die Insel um 300 n. Chr. besiedelten, zur Taíno-Kultur, die erst um 1.000 n. Chr. auf den Archipel wanderten, offenlegen.

Über 186 menschliche Überreste wurden innerhalb der Gräberfelder entdeckt, unter denen stammen die meisten von den Igneri ab. DNA-Proben dienen weiteren Studien zu traditionellen Zeremonien, Essgewohnheiten und Krankheiten. Die Bestattungen und die damit verbundenen Grabbeigaben sind wichtige Zeugnisse für den Keramik-Stil, aber vor allem geben sie Einblicke in die religiösen, rituellen und sozialen Gebräuche der indigenen Stämme. Neben den Entdeckungen zur Stammesgeschichte und Kultur werden auch botanische Funde präsentiert, so uralte Bäume, einheimische Pflanzen und Vögel, deren Heimat das Gebiet war, lange bevor Christoph Columbus die Insel entdeckte.

Seit 1990 ist das 2 ha grosse Gelände eine sehr interessante Touristenattraktion (Öffnungszeiten Di-So 9-16 Uhr). Die geborgenen Artefakte der unterschiedlichen indianischen Kulturen werden in einem dortigen Museum und im Ponce Museum of Art ausgestellt. Die Rekonstruktion eines traditionellen Taíno-Dorfes zeigt den Besuchern, wie die Menschen gelebt haben. Insgesamt sieben Ballfelder und ein viereckiger Platz sind auf dem Gebiet verteilt. Eine von Steinen umgebende Fläche wurde als die "Plaza" identifiziert.

Die Taínos spielten eine Reihe von Spielen, die sowohl zeremoniellen als auch unterhaltenden Charakter hatten wie Rennen, Wettkämpfe um das Fischen und den Einsatz körperlicher Kraft. Die häufigsten Spiele waren jedoch simulierte Kriegerkämpfe, ähnlich den römischen Gladiatorenkämpfen, und Ballspiele. Die Ballspiele, genannt Batey, fanden auf den zentralen Feldern, die wie ein Dreieck oder ein U geformt sind, statt. Der Ball wurde Batu genannt und bestand aus Gummi und Blättern, die ihn flexibel machten. Zwei Mannschaften spielten gegeneinander, das eine Team im Osten, das andere im Westen, Väter und Söhne kämpften grundsätzlich auf der gegnerischen Seite. Das Ziel des Spiels war, den Ball in ständiger Bewegung zu halten, die Spieler durften dabei den Kopf, Ellbogen, Schulter und Knie anwenden. Ein Team verlor einen Punkt, sobald der Ball nicht mehr in Bewegung war und die Stelle wurde am Boden markiert. Nach einer bestimmten Anzahl dieser markierten Punkte, hatte das jeweilige Team verloren. Die Gewinner wurden wie Helden, die Verlierer offensichtlich wie Opfer behandelt.

Nach einem Augenzeugenbericht des berühmten, spanischen Historikers Pedro Mártir de Anglería (1457 geboren), der u. a. als erster über das Zusammentreffen der Indianerstämme mit den spanischen Kolonisten schrieb, wurden die Kriegerspiele vor dem ganzen Dorf und im Beisein des Cacique, des obersten Stammeshäuptlings, sowie zuweilen geladener Gäste, abgehalten. Zwei Teams bekriegten sich mit Pfeil und Bogen als einzige Angriffs- und Verteidigungswaffe, wobei bei dem von Anglería gesehenen "Spiel" vier Männer ums Leben kamen und viele andere in einem Zeitraum von nur einer Stunde verletzt wurden. Nur durch ein Zeichen des Cacique würde der Kampf zu Ende gehen.