Geschichte

2 000 v. Chr.                                                                                                                                        Besiedlung des Archipels durch die Ortoiroid, ein Volk von Jägern und Sammlern aus dem Orinoco-Gebiet in Südamerika.

120 – 400 n. Chr.
Ethnische Völkergruppen der Arawaken, der Urbewohner der Nordküste Südamerikas, die sich in jener Zeit über ganz Südamerika ausbreiten, besiedeln die Insel. Darunter das Volk der Igneri von den kleinen Antillen, das die Ortoiroiden als Hauptsiedler auf Puerto Rico ablöst.

600 – 1 000 n. Chr.
Entstehung der Taìno-Kultur auf Puerto Rico, ebenfalls vom Stamm der Arawaken. Ihre Ursprünge liegen an der Flussmündung des Orinoco im heutigen Venezuela.

19. November 1493
Während seiner zweiten Entdeckungsreise erreicht Christopher Columbus Puerto Rico. Er benennt die Insel zunächst nach Johannes dem Täufer San Juan Bautista. Erst später findet er einen noch grösseren Hafen, den er Puerto Rico (= reicher Hafen) nennt und San Juan der Name der Hauptstadt wird. Zu dieser Zeit leben ca. 40 000 bis 60 000 Tausend Taìnos auf der Insel, die sich in Cacique-Gesellschaften organisiert hatten. Der mächtigste Cacique (= Häuptling) damals hiess Agüeybanà (= die grosse Sonne) und lebte mit seinem Stamm Guayanilla am gleichnamigen Fluss im Süden der Insel. Alle anderen Caciques auf Boriken (so nannten die Taìnos die Insel, was soviel bedeutet wie "Das grosse Land des tapferen und edlen Herrn") waren ebenfalls Stammeshäuptlinge, mussten sich Agüeybanà aber unterwerfen und ihm folgen.

1510                                                                                                                                                     Agüeybanà wird im Kampf gegen die Spanier erschossen. Die Taìnos hielten die ankommenden Seefahrer einst für Götter, empfingen sie gastfreundlich und halfen ihnen bei der Erkundung der Insel. Agüeybanà trug wesentlich zum friedlichen Umgang zwischen Taìnos und Spaniern bei, die Eroberer nutzen jedoch bald die Gutgläubigkeit der Taìnos aus, zwingen sie zum Arbeiten in den Goldminen und versklaven sie. Durch eine List, die daraus bestand einen Spanier im Fluss zu ertränken, erkennen die Taìnos, dass die Spanier sterblich und damit keine Götter sind. Unter der Führung Agüeybanàs starten sie eine Revolte und greifen spanische Siedlungen an. Lediglich mit Speeren sowie Pfeil und Bogen ausgestattet, erliegen sie bald den besser bewaffneten Spaniern. Nach dem Tod Agüeybanàs begehen viele Taìnos Selbstmord, verlassen die Insel, sterrben an einer Pockenepidemie oder infolge der grausamen Behandlung durch die Spanier. Die Spanier rotteten das Volk der Taìno buchstäblich aus, doch ist die Kultur auf Puerto Rico noch gegenwärtig, denn bis heute wird Agüeybanà für seinen Dienst am Volk verehrt und einige öffentliche Einrichtungen, Strassen und Plätze im ganzen Land sind nach ihm benannt.

8. August 1511                                                                                                                                       Einrichtung der ersten römisch-katholischen Diözese unter Papst Julius II. auf Puerto Rico mit Alonso Manso als ersten Bischof. Unter dem nachfolgendem Papst Leo X. wird Puerto Rico erstes geistliches Hauptquartier und Zentrum der Spanischen Inquisition in der Neuen Welt.

1513
Eine grosse Anzahl afrikanischer Sklaven wurde nach Puerto Rico eingeführt.

1528
Die Franzosen erkennen die strategisch gute Lage und den potenziellen Reichtum der Insel, zerstören viele spanische Siedlungen, lediglich San Juan blieb verschont.

1532
Entstehung der "La Fortaleza", der ersten Festung vor der Bucht von San Juan. Wenige Jahre später entstehen noch mehr: "Fort San Felipe del Morro", "Fort San Cristóbal" und "Fort San Jerónimo".

22. November 1595
Der englische Freibeuter Sir Francis Drake fällt mit 2500 Soldaten auf 27 Schiffen in die Bucht von San Juan ein. Obwohl er die Stadt in Brand setzen konnte, scheitert er letztendlich an den Verteidigungskämpfern in den Festungen.

15. Juni 1598
George Clifford, Herzog von Cumberland, versucht erneut die Insel zu erobern. Nach langen Widerstandskämpfen können die Briten Puerto Rico für mehrere Monate besetzen bis eine infektiöse Darmkrankheit, Bakterienruhr, ausbricht und sie zur Aufgabe zwingt.

1599
Spanien schickt Soldaten, Kanonen und den Gouverneur Alonso de Mercato um San Juan wieder aufzubauen.

25. September 1625
Der Niederländer Boudewijn Hendrick belagert mit seinen Truppen die Festungen "San Felipe del Morro" und "La Fortaleza". Die Einwohner fliehen aus San Juan, wenig später können die Spanier die Niederländer jedoch verjagen.

1634
Philipp IV. lässt weitere 6 Festungen am "Fort Cristóbal" errichten. Sie dienten dem Schutz vor Eroberungen zu Land und sind mit Sandsteinmauern rund um die Stadt verbunden.

1702
Erneuter Angriff der Briten über Arecibo an der Nordküste, der von den Spaniern geschlagen wird.

1797
Kriegserklärung von Frankreich und Spanien gegen Grossbritannien. Eine englische Invasion von 64 Kriegsschiffen vor San Juan wird unter der Führung von Captain General Don Rámon de Castro erfolgreich zurückgeschlagen.

1786
Erscheinung der "Historia Geográfica, Civil y Política de Puerto Rico" von Fray Iñigo Abbad y Lasierra in Madrid, dem ersten Buch, das sich umfassend mit der Geschichte Puerto Ricos von der Eroberung 1493 bis 1783 beschäftigt.

1812
Verfassung von Cádiz: Erste schriftliche Verfassung Spaniens, die seine Gebiete in Provinzen einteilt. Jede Provinz besass einen Rat zur Förderung des Wohlstands und Verteidigung der Interessen. Die Puerto Ricaner erhielten ausserdem eine eingeschränkte Staatsbürgerschaft.

10. August 1815
Ein königlicher Gnadenbrief (Real Cédula de Gracia) erlaubt Fremden die Einreise nach Puerto Rico und öffnet den Hafen für den internationalen Handel. Damit wird der Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung Puerto Ricos gelegt. Hauptsächlich wird Tabak, Zucker und Kaffee angebaut. Ausserdem gestattet der Gnadenbrief jedem freies Land, der sich zur Spanischen Krone und dem römisch-katholischen Glauben bekennt. Viele Europäer aus Deutschland, Korsika, Irland, Frankreich, Portugal und den Kanaren entfliehen der wirtschaftlichen Krise im eigenen Land und immigrieren nach Puerto Rico. Wenige Monate später wird Napoleon endgültig geschlagen und Spanien verfällt zurück in den Absolutismus. Puerto Rico erhält wieder den Status einer Kolonie und untersteht der uneingeschränkten Macht des Monarchen.

23. September 1868
Grito de Lares: Aufstand mehrerer hundert Männern und Frauen gegen die Armut und Willkür der Spanischen Krone, der niedergeschlagen wird.

22. März 1873
Offizielle Abschaffung der Sklaverei.

25. November 1897
Spaniens Regierung bewilligt die Carta Autonomica, die Puerto Rico Autonomie in Politik und Administration gewährt. Die gewährten Rechte halten nicht lange, da bald darauf die Amerikaner im Zuge der Invasion auf Kuba auch Puerto Rico einnehmen.

1898
USA und Spanien einigen sich auf einen Friedensvertrag in Paris, in dem die Spanier auf ihre Ansprüche auf Kuba verzichten, sowie Guam und Puerto Rico abgeben. General John R. Brooke wird erster Militärgouverneur der USA auf Puerto Rico. Es entstehen einige Veränderungen, die noch heute gültig sind: Die Landeswährung wird der US-Dollar; Versammlungs-, Rede-, Presse- und Religionsfreiheit; Öffentliche Schulen; Einführung der US-Post; Bau von Strassen und Brücken; Einrichtung eines zentralen Gesundheitssystems; Verbot des Hahnenkampfes u.v.m.

2. April 1900
Foraker Act: Die Einrichtung einer zivilen Regierung und des freien Handels zwischen den USA und der Insel bedeutet das Ende der Militärregierung. Die neue Regierung besteht aus einem vom US-Präsidenten eingesetzten Gouverneur, einem exekutiven Rat und einer Legislative von 35 Mitgliedern.

2. März 1917
Jones-Shafroth-Act: US-Präsident Woodrow Wilson veranlasst das Gesetz, dass Puerto Rico ein organisiertes aber nicht annektiertes Territorium der USA ist und alle Puerto Ricaner die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten. Die Regierung wird in ihre 3 Gewalten geteilt, wobei die Exekutive vom US-Präsidenten benannt wird. Die Wehrpflicht denht sich auf die Insel aus, wodurch mehr als 20 000 Puerto Ricaner für die US-Army im Ersten Weltkrieg kämpfen.

1946
Präsident Harry S. Truman benennt mit Jesus T. Piñero den ersten puertoricanischen Gouverneur, ein Jahr später wurde ein Gesetz erlassen, das den Puerto Ricanern erlaubte, ihren Gouverneur selbst zu wählen.

4. Juli 1950
Truman unterzeichnet den Public Act 600, der Puerto Rico dazu berechtigt, seine eigene Verfassung für das Commonwealth (= Gemeinwesen) zu entwerfen.

25. Juli 1952
Das Referendum wird vom Volk bestätigt und die Insel organisiert sich als Estado Libre Asociado bzw. Commonwealth of Puerto Rico. Die Flagge von Puerto Rico kann von nun an öffentlich gezeigt werden.

1968
Luis A. Ferré als Kopf der Partido Nuevo Progresista will als erster Gouverneur Puerto Rico zum 51. Bundesstaaten der USA machen. Volksabstimmungen zur Unabhängigkeit finden 1967, 1993 und 1998 statt, in allen Fällen entscheiden sich die Wähler für die Beibehaltung des Commonwealth-Status.

1980
Das Entkolonisierungskomitee der Vereinten Nationen fordert den Abzug der USA aus Puerto Rico.

2006
Der für die Unabhängigkeit Puerto Ricos kämpfende Politiker Juan Mari Brás erhält vom Aussenministerium Puerto Ricos als erster Mensch ein Zertifikat zur puertoricanischen Staatsbürgerschaft. Nach dem Verzicht auf die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und einem jahrelangem Rechtsstreit, in dem er beanspruchte ein Bürger Puerto Ricos zu sein, erhielt er das Zertifikat, das vom US-Aussenministerium stark in Frage gestellt wird. Ein Gesetz von 1997 verlange die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und Nationalität als Voraussetzung für die puertoricanische. Seit dem Vorfall um den 2010 verstorbenen Juan Mari Brás ist eine öffentliche Debatte zu diesem Thema entfacht.